Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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die richtige war; ſie empfand eine inſtinktmäßige Ab⸗ neigung gegen den blaſirten Mann, der ihr gleich bei jener erſten Begegnung ſo widerlich erſchienen war. Ihr Stolz empörte ſich auch, wenn ſie an ſeinen überaus ſchlechten Ruf dachte. Ihr Gatte ſollte vorwurfsfrei der Welt in's Auge blicken können. Zugleich regte ſich in dieſem Augen⸗ blicke jenes Gefühl für Bolten, das ſie vergebens zu unter⸗ drücken ſuchte. Auch ſie liebte den Aſſeſſor, wenn auch nur mit der Rückſicht, welche ihre ſkeptiſche Natur und die Verhältniſſe ihr auferlegten. Jetzt, wo ſie ihn für immer aufgeben ſollte, ſprach ihr Herz mit lauter Stimme zu ſeinen Gunſten.

„Du willſt alſo den jungen Eſſling nicht ſehen,“ ſagte der Vater nach einer Pauſe.„Ich werde Dich auch nicht zwingen, obgleich ich es könnte. Aber eben ſo wenig werde ich jemals meine Einwilligung zu einer Verbindung mit dem Aſſeſſor Bolten geben, der muthmaßlich der Grund Deiner jetzigen Weigerung iſt. Ein und für alle⸗ mal ſag' ich Dir, laß Dir jeden Gedanken an ihn ver⸗ gehen. Ich bin durchaus nicht geſonnen, meine Tochter an einen Bettler fortzuwerfen, der ohnehin noch ſeine Mutter und zwei unverſorgte Schweſtern zu ernähren hat.“

„Ich kann Ihnen die Verſicherung geben, daß Bolten ſich mir gegenüber noch nicht erklärt hat. Ich ſelber achte ihn, aber ich beſitze auch die nöthige Ueberlegung, um alle