aber nicht in dem düſteren Gewande der Verbitterung, wofür ihn der milde Sinn und das Beiſpiel ſeiner Mutter ſchützte, ſondern in der freundlichere Geſtalt eines weiſen Lehrers, der ihm den richtigen Weg zu ſeinem Ziele zeigte. Sein ſchönes Geſangtalent und eine gediegene, muſikaliſche Bil⸗ dung hatten ihn in die Geſellſchaft eingeführt, wo er überall wegen ſeines feinen Benehmens und ſeines geſitteten Be⸗ tragens gern geſehen und gelitten wurde. Auch mit der Familie des Kaufmanns Brandeis war er auf dieſe Weiſe bekannt geworden und Antonie hatte ihn bereits einige Male in dem elterlichen Hauſe geſehen, ohne ihm jedoch näher zu treten. Die Schuld trug wohl ſeine eigene Zu⸗ rückhaltung, eine ihm angeborene Schüchternheit, welche zum Theil aus einem gewiſſen Stolz der Dürftigkeit ent⸗ ſprang. Er wollte nicht zudringlich erſcheinen und wurde deshalb häufig für verſchloſſen, ſelbſt für beſchränkt von oberflächlichen Beurtheilern gehalten. Den jungen Mäd⸗ chen erſchien er aus demſelben Grunde als ein trockener Aktenmenſch, weil er nicht jene gewöhnliche Fertigkeit beſaß, über Nichts ſchöne Worte zu machen und abgedroſchene Phraſen mit einem wichtigen Anſtriche vorzubringen. An⸗ tonie theilte dies Vorurtheil, obgleich ſie ihm als Tänzer und beſonders wegen ſeiner ſchönen Stimme volle Gerechtig⸗ keit wiederfahren ließ; nur ſang er nach ihrer Meinung viel zu kalt und ſeelenlos, weil er fern von jeder Effekt⸗
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