Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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haſcherei ſchlicht und keuſch die Gedanken des Componiſten wieder zu geben ſich bemühte. Die Muſik war bisher der einzige Berührungspunkt zwiſchen Beiden geweſen und ihr Geſpräch drehte ſich auch jetzt meiſt nur um ähnliche Gegen⸗ ſtände. Mochte es aber die unmittelbare Nähe des ſchönen Mädchens, oder eine nicht gewöhnliche Aufregung ſein, die den Aſſeſſor ihr plötzlich in einem beſſeren Lichte erſcheinen ließ. Er ſprach mit Begeiſterung, mit überraſchender Sicherheit und Gediegenheit, ſo daß ſie unwillkürlich von ſeiner Unterhaltung gefeſſelt wurde. Im Laufe ſeiner Rede verrieth er unbewußt, daß er ſich ſelbſt ſchon als Componiſt, wenn auch unter einem andern Namen, verſucht habe; ſie kannte ſeine Lieder voll Poeſie und zauberhafter Melodie; ſie hatte dieſelben oft geſungen, ohne den Ver⸗ faſſer zu ahnen. Dieſe Entdeckung erhöhte ſeinen Werth in ihren Augen und ſie ſprach ihre Bewunderung für ſeine Schöpfungen ihm gegenüber unumwunden aus. Er wich ihrem Lobe mit erröthender Beſcheidenheit aus, die nur ſein Verdienſt vermehrte. Leider ging der Tanz ſchneller zu Ende, als Beide wünſchen mochten; denn ſie hatten ein⸗ ander noch ſo viel zu ſagen, was nun ungeſagt bleiben mußte. Als der Aſſeſſor Antonie auf ihren Platz zurück⸗ führte und ſich mit einer Verbeugung empfehlen wollte, erſuchte ſie ihn dringend, ſeine neueſte Compoſition, von der er mit ihr geſprochen hatte, ihr zu bringen.