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Regierungsrathes, der mit Hinterlaſſung einer zahlreichen Familie und eines unbedeutenden Vermögens geſtorben war. Mit Hülfe ihrer kleinen Penſion gab ſie unter den ſchwerſten Entbehrungen ihren Kindern eine ſorgfältige Erziehung. Der älteſte Sohn hatte die juriſtiſche Carriere nicht ohne Erfolg eingeſchlagen, obgleich ſein kleiner Gehalt vorläufig nur eben hinreichte, ihn ſelber ſtandesgemäß zu erhalten. Zwei jüngere Schweſtern ernährten ſich und die Mutter durch Klavierſtunden und weibliche Arbeiten. Unter ſolch beſchränkten Verhältniſſen war der junge Mann aufge⸗ wachſen; aber gerade dadurch wurden ſeine Energie, ſeine Thätigkeit und ſein Fleiß ganz beſonders herausgefordert. Das Vorbild der edlen Mutter, ihre Bereitwilligkeit, ſich für die Ihrigen aufzuopfern, ihr zarter, edler Sinn hatten ihn mit der höchſten Achtung für das ganze Frauengeſchlecht erfüllt und ſeinem männlichen Weſen einen eigenthümlichen Zug weiblicher Milde und Anmuth beigemiſcht. Ueber ſein ſchönes, regelmäßig geformtes Geſicht lag eine anzie⸗ hende Melancholie ausgegoſſen, wie man ſie bei den Män⸗ nern zu finden pflegt, welche frühzeitig an Entbehrungen ſich gewöhnen müſſen. Sein ganzes Sein und Denken hatte eine mehr ideale Richtung angenommen, indem er vermöge ſeiner Lage von äußeren Zerſtreuungen der Jugend abgehalten, ein höheres Streben mit allen ſeinen Kräften
verfolgte. Der Ernſt des Lebens war ihm früh erſchienen,


