Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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meiſten Fällen, wenn auch nicht bei Antonien ſo ſchnell wie ſonſt, das ihm ungünſtige Vorurtheil zu beſiegen. Noch immer hoffte er, nach und nach ihre Gunſt zu erlangen und dies wäre ihm vielleicht auch noch gelungen, wenn nicht der eben beginnende Walzer die Unterhaltung mit ihrunterbrochen hätte. Ein glücklicher Tänzer näherte ſich ihr und ent⸗ führte ſie, bald ſchwebte ſie leicht wie eine zarte Elfe im Kreiſe, verfolgt von Eſſling's düſter glühenden Blicken. Im nächſten Augenblicke überließ ſie ſich ganz und gar ihrer jugendlichen Tanzluſt, ohne einen andern Gedanken als das Vergnügen und die Aufregung gewährt. Sie war noch in jenem glücklichen Alter, wo der Tanz um des Tanzes willen intereſſirt. Die Herren ſchienen ihr gleich⸗ giltig, wenn ſie nur ſonſt gewandt waren und die Touren kannten. Die gewöhnlichen Ballgeſpräche eigneten ſich nicht, um dem geiſtreichen Mädchen mehr als oberflächliche Antworten abzulocken. Sie fühlte weder Luſt noch Neigung, auf ein tieferes Geſpräch einzugehen, das ohnehin die meiſten Tänzer nur in Verlegenheit geſetzt haben würde. Kaum hielt ſie es der Mühe werth, dem Herrn, mit dem ſie engagirt war, einen Blick zu ſchenken; es genügte ihr, daß er leicht und ſicher ſeine Pas ausführte. Dieſer ſchien jedoch angelegentlich bemüht, eine Unterhaltung mit ihr anzuknüpfen. Aſſeſſor Bolten gehörte einer geachteten Beamtenfamilie an; ſeine Mutter war die Wittwe eines