Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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Sie genießen, entgegnete ſie,einen ſo ausge⸗ zeichneten Ruf, daß Sie meiner Empfehlung nicht erſt bedürfen. Was aber unſere Jugendfreundſchaft betrifft, ſo erlaube ich mir nur zu bemerken, daß davon nicht die Rede ſein kann, da ich, wie Sie wiſſen

Erſt Ihr zwanzigſtes Jahr zurückgelegt haben, fiel hier Eſſling lächelnd ein.Ich ſehe ſchon, daß ich mich ſelber vorſtellen muß. Erlauben Sie daher, Fräulein Brandeis, daß ich mich als Eſſling junior bei Ihnen einführe. Sie werden bereits von mir gehört haben; und ich ſchmeichle mir, Ihnen par renomméo nicht unbekannt zu ſein. Jetzt habe ich nur den Wunſch, mir den nächſten, noch freien Tanz von Ihnen erbitten zu dürfen.

Ich bedaure recht ſehr, entgegnete Antonie kalt, ob⸗ gleich ſie die letzee Quadrille noch zu vergeben hatte; aber ſein ganzes Weſen und Benehmen mißfiel ihr in ſo hohem Grade, daß ſie ihm kein Hehl daraus machte. Dies hinderte ihn jedoch nicht, ruhig auszuharren. Er blieb in ihrer Nähe ſtehen und wußte ſie mit vieler Gewandtheit gegen ihren Willen in ein lebhaftes Geſpräch zu verflechten. Es ließ ſich ihm nicht eine feine Beobachtungsgabe, ſcharfer Witz und klarer Verſtand abſprechen. Wenn Eſſling wollte und ſich bemühte, konnte er ſogar angenehm erſcheinen. Der Widerſtand, den er fand, reizte ihn nur, ſich in einem beſſeren Licht zu zeigen und dies gelang ihm auch in den