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auch wenn ſie am ärgſten mit ſchmälten und ſpotteten, wobei ſie grade dadurch nach Mädchenart nur ihre wahre Meinung und zärtliche Vorliebe zu verbergen ſuchten. Antonie hörte mit Erſtaunen zu; ſie bekam eben nicht den vortheilhafteſten Begriff von der hier vertretenen Männer⸗ welt und da Fräulein Mühlenberg in ihrer anerkennungs⸗ werthen Unparteilichkeit keine Ausnahme machte, ſo drängte ſich ihr die Ueberzeugung auf, daß Alle nur wenig oder gar nichts taugten. Sie hörte die wunderlichſten Ge⸗ ſchichten von der Lebensart dieſer Herren, Dinge, von denen allerdings in ihrer Penſion nie die Rede war und die von den Mädchen unter einander in ziemlich ungenirter Weiſe verhandelt wurden. So ſah ſie ſich mit einem Male in Myſterien eingeweiht, von denen ihre ſchuldloſe Seele bisher keine Ahnung hatte, ſie that einen Blick in das Weſen der Geſellſchaft, welcher ſie vermöge ihrer Stellung angehörte, einen Blick, der plötzlich ſie in das wirkliche Leben und ſeine Verirrungen einweihte. Ihr natürlicher Verſtand ließ ſie allerdings die Uebertreibungen, welche ſich Fräulein Mühlenberg in ihrem zu weit gehenden Männerhaſſe zu Schulden kommen ließ, wohl erkennen, aber ihr eigener ſkeptiſcher Geiſt fand immer noch hin⸗ reichende Veranlaſſung, um die wenigen Ideale, welche ihr geblieben waren, vollends aufzugeben. In der Penſion hatte ſie ſchon eine Enttäuſchung erfahren, welche nicht


