Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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längſt in gährend Drachengift, der jugendliche Moſt in ſauren Eſſig verwandelt. Wie Caligula wünſchte ſie der ganzen Männerwelt nur einen Hals, um mit einem Streiche die falſche Brut zu vertilgen, welche ſo undankbar war, ſie nicht nur beim Tanze, ſondern auch im Leben ſitzen zu laſſen. Mußte ſie es nicht dulden, daß ihr jetzt die jüngſten Backfiſche vorgezogen wurden, nachdem ſie bereits verſchiedene Generationen auf Bällen erlebt hatte; war ſie nicht, wenn ſie tanzen wollte, faſt allein auf die Commis ihres Vaters angewieſen, oder auf einige gehalt⸗ loſe Referendarien, welche an dem Tiſche des Börſen⸗ älteſten von Zeit zu Zeit ein Diner einnahmen und des⸗ halb ein Uebriges thaten. Vergebens wandte ſie alle Mittel an, um noch einen Mann zu feſſeln, um an ihm ihre Rache an dem ganzen Geſchlechte auszulaſſen. Sie legte Roth auf ihr gelbes Geſicht, den feinſten pariſer Kar⸗ min; ſie ließ ihre ſtechenden Augen und ihren Geiſt ſpielen; das Alles wollte aber nicht helfen. Keiner blieb an der Leimruthe hängen und es ſchien ihr Loos zu ſein, ewig eine alte Jungfer zu bleiben. Ohne Schonung, wie man ſich leicht denken kann, ging ſie die anweſenden Herren durch, rechts und links die Geißel der Satyre unbarm⸗ herzig ſchwingend. Ihre Worte fanden auch meiſt An⸗ klang; die jungen Damen pflichteten ihr gewöhnlich bei, obgleich ſie im Stillen oft ganz anderer Meinung waren,