Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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im engſten Familienkreiſe Theil genommen. Es war das ein ungeheurer Abſtand, ein jäher Sprung, ein Abſchnitt in ihrem Leben. Für ein junges Mädchen iſt der Ballſaal das Schlachtfeld, der Kampfplatz, wo es um den Preis der Schönheit und Anmuth ringt, wo es die höchſten Triumphe zu feiern, den Lorbeer zu gewinnen und alle Nebenbuhle⸗ rinnen zu beſiegen gedenkt. Wie ſchlägt nicht da das Herz voll Erwartung, wie fliegen nicht die Pulſe, wie geſpannt ſind nicht alle Nerven. Der Glanz der Gasflammen, die Pracht der Toiletten, die rauſchenden Klänge der Muſik, der ſtürmiſche Tanz, bringen eine wunderbare Aufregung hervor und üben einen magiſchen Zauber aus, bis die Zeit auch dieſes Gefühl wie jedes andere nach und nach ab⸗ ſtumpft, der Ernſt des Lebens die ſchimmernden Lichter auslöſcht und den Kranz der Luſt unter dem heißen Hauche verwelken läßt. Nachdem die jungen Damen ihre An⸗ züge genügend beſprochen, laut bewundert und im Stillen verdammt hatten, kam die Reihe an die anweſenden Herren, wobei auch die Abweſenden nicht vergeſſen wurden. Das große Wort führte das kritiſche Fräulein Mühlenberg; mit ſcharfer Zunge und noch ſchärferen Worten übte ſie ohne Anſehn der Perſon Gerechtigkeit. Sie war bereits in jenes zweifelhafte Alter getreten, wo die Mädchen hart⸗ näckig ſich an eine Jahreszahl klammern und niemals älter werden. Die Milch der frommen Denkungsart hatte ſich