Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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mäßig eitel war. Und die übrigen jungen Damen em⸗ pfanden bereits einen gewiſſen Neid und ſahen in Antonien eine gefährliche Concurrentin; ſie konnten natürlich gar nicht begreifen, warum ſich die Herren um den Neuling drängten; ſie wußten auch gar nicht, wo denn eigentlich die große Schönheit ſtecke. Solche Reize hatte man wohl ſchon geſehen und mit der Bildung ſollte es auch nicht ſo weit her ſein. Derartige Bemerkungen blieben nicht aus; man muſterte Antonien vom Kopf bis zu den Füßen, um mit chriſtlicher Liebe irgend einen Fehler zu entdecken, man ziſchelte ſich allerlei in die Ohren und Fräulein Mühlen⸗ berg, die bereits etwas ältliche ſcharf blickende Tochter des Börſenälteſten, hatte es glücklich herausgebracht, daß bei näherer Beſichtigung, Antonien's Teint nicht ganz rein ſei, daß ſie am Nacken einen oder gar zwei ſchwarze Punkte habe, ſo groß wie ein Sechſer, nämlich durch das Ver⸗ größerungsglas der weiblichen Eiferſucht geſehen. Dies hinderte jedoch nicht, daß Antonie hier eine Menge Freun⸗ dinnen fand, die ſich ſo überaus herzlich freuten, ſie wieder⸗ zuſehen, von denen ſie ſich umarmen ließ und mit denen ſie Arm in Arm durch den Saal ging, plaudernd und ſcher⸗ zend, wie es die jungen Damen lieben. Auch ſie lachte und überließ ſich ihrer angebornen, heitern Laune; es war der erſte größere Ball, dem ſie in der Reſidenz beiwohnte; früher hatte ſie höchſtens an ganz kleinen Tanzvergnügungen