Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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fältige Erziehung genießen, die Eigenſchaften ihres Her⸗ zens und Verſtandes ausbilden, ſo miſcht ſich doch eine gewiſſe Berechnung, eine vorwiegende Verſtandesrichtung ſelbſt in ihre Neigungen und zärtlichen Leidenſchaften. Stets von Wohlſtand umgeben, ſeit ihrer Kindheit an Luxus ge⸗ wöhnt, vermögen ſie nur ſelten ſich mit dem Gedanken an Entbehrungen bekannt zu machen. Das WortEin⸗ ſchränkung ſteht nicht in ihrem Lexikon und niemals werden ſie an das Glück einer Ehe glauben, welche mit Opfern mancher Art verbunden iſt.

Auch in der Familie Brandeis war dieſe Anſicht allgemein verbreitet. Der Vater hatte durch ſeine Tüch⸗ tigkeit als Geſchäftsmann ein anſehnliches Vermögen er⸗ worben, das allerdings im Verhältniſſe zu ſeinen zahl⸗ reichen Kindern nicht übermäßig groß erſchien, obgleich es vollkommen zum anſtändigen Leben ausreichte. Er war in ſeiner Art ein ſtreng redlicher Mann, fleißig, arbeitſam und hatte lediglich ſich ſelber und ſeiner Solidität die ehrenwerthe Stellung zu verdanken, welche ſeine Firma in der Handelswelt einnahm. Im Uebrigen war er kein Freund von gewagten Spekulationen, er hatte mühſam Groſchen für Groſchen erworben, nach und nach ſein Ge⸗ ſchäft immer mehr und mehr ausgedehnt, bis er es zu der gegenwärtigen Höhe emporgebracht. Er ſah deshalb mit einer eignen Miſchung von Stolz und wieder von Be⸗