—d 8—
ſchien. Wie ſo oft im Hochgebirge war ein ploͤtzlicher Wechſel des Windes eingetreten. Zwar ſtand noch die Sonne in heißer Pracht und meiſt unverhuͤllt, aber der blaue Himmel war nicht mehr ſo ganz rein und klar wie noch kurz zuvor. Von den Spitzen und Kluͤften der Berge ſtieg hier und da ein feiner Nebel auf, der ſich hoch und hoͤher hob. Dunkle Wolken ballten ſich daraus am Horizont und die zunehmende elektriſche Spannung that ſich in der wachſenden
Schwuͤle kund.
Auf ſeinem Standpunkte konnte der
Wanderer die drohende Veraͤnderung beſſer wahrneh⸗ men als die uͤbrige Geſellſchaft, da er eine freiere Aus⸗ ſicht genoß. Das neue Schauſpiel, welches ſich jetzt am Horizont darbot, beſchaͤftigte ihn ausſchließlich. Es war auch in der That ein praͤchtiger Anblick fuͤr einen Naturfreund, wofuͤr wir den Fremden halten muͤſſen. Die reizende Ausſicht, welche bisher ihm nach Iſchl zu frei ſtand, hatte ſich allmaͤlig mit einem dichten Flor umzogen. Dennoch war der Schleier nicht ſtark genug, um den noch immer maͤchtigen Sonnenſtrahlen zu wi⸗ derſtehn. Wo dieſe eindrangen, zerriß der Nebel immer von Neuem und ließ die darunter verborgene Pracht in doppelt uͤberraſchendem Zauber ſehn. Wie aus einem wogenden und wallenden Meere tauchte hier
eine gruͤne Wieſe, dort ein dunkel ſchwarzer Fichten⸗
——


