Teil eines Werkes 
Zweiter Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 328 0

kennen lernen, der unſeren Dandies und Lions den Rang abgelaufen hat.

So geſchah es. Der Fuͤrſt hatte mit dem Faͤrber meiſter eine laͤngere, ernſte Unterredung. Dem alten Menſchenkenner genuͤgte eine kurze Zeit, um Georgs Tuͤchtigkeit kennen und achten zu lernen. Trotzdem verſuchte er noch einmal, Adolphine in ihrem Ent ſchluſſe wankend zu machen. In glaͤnzenden Farben malte er ihr die Zukunft, welche ſie in der Reſidenz erwartete. Sie widerſtand muthig allen ſeinen Lockun⸗ gen und Verſprechen. Treu blieb ſie ihrem einmal gefaßten Vorhaben und ihrer Liebe. Endlich ſtimmte der Fuͤrſt ihr ebenfalls bei und verſprach ihr, die Einwilligung ihres Vaters zu ihrer beabſichtigten Vermaͤhlung herbeizuſchaffen. Es war dies die ein zige Gunſt, welche er ihr aufzunoͤthigen vermochte. Alle uͤbrigen, großmuͤthigen Anerbietungen wies ſie und der Faͤrbermeiſter mit Entſchiedenheit zuruͤck. Sie bedurften nichts mehr zu ihrem Gluͤcke.

Einige Wochen nach dem Beſuche des Fuͤrſten langte die Zuſtimmung des Freiherrn von einem kal⸗ ten Gluͤckwunſche begleitet an. Die Hochzeit wurde in tiefſter Stille gefeiert. Nur die naͤchſten Anver⸗ wandten nahmen an dem Feſtmahl Theil. Die wuͤr⸗ dige Frau Kerner legte die Hand ihrer Enkeltochter