Teil eines Werkes 
Zweiter Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

= 317

nahm ſie meine ſeltſame Bedingung an. Sie blieb rein und keuſch vor Gott und mir, vor den Leuten und ihrem Gatten galt ſie als ein treuloſes Weib, als meine Geliebte. Sie brachte das groͤßte Opfer, das ein Weib zu bringen im Stande iſt. Ich begreife, daß eine Frau ihren Ruf fuͤr nichts achtet, wenn ſie liebt, wenn die Gewalt der Leidenſchaft ihr Herz be herrſcht. Ihre Mutter that weit mehr. Sie trotzte der Welt und der oͤffentlichen Meinung, um ihren Gatten zu retten. Fuͤr ſeine Ehre und ſein Gluͤck gab ſie das Hoͤchſte, was ſie beſaß, ihre eigene Ehre hin. Je laͤnger ich daruͤber nachdenke, deſto groͤßer erſcheint mir ihre That, deſto unverzeihlicher mein Benehmen. Ich forderte einen Schwur von ihr, nie die Wahrheit unſeres Verhaͤltniſſes, unter keiner Be⸗ dingung und an keinen Menſchen, zu verrathen. Sie hat ihren Eid gehalten, ſelbſt ihrem Gatten gegen⸗ uͤber, trotz aller Schmach und der veraͤchtlichen Be handlung, welche ſie von ihm und nur um ſeinet⸗ willen erduldete.

O! unterbrach Adolphine den Fuͤrſten, jetzt iſt mir Alles erklaͤrlich und mein Vater iſt in meinen Augen weit weniger ſchuldig, als ich glaubte.

Sie irren und leider muß ich Ihnen dieſe Taͤuſchung benehmen. Er genoß die Fruͤchte dieſer