Teil eines Werkes 
Zweiter Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Frau Becher hatte ſchon fruͤher es fuͤr ihre Pflicht gehalten, den Sohn auf dieſe guͤnſtigen Umſtaͤnde aufmerkſam zu machen, ehe er ſeinen Gang antrat, fand jedoch wie immer in ihm eine deutlich ausgeſpro⸗ chene Abneigung gegen jedes Heirathsproject, obgleich er den geruͤhmten Eigenſchaften der beiden jungen Damen volle Gerechtigkeit widerfahren ließ.

Die Aufnahme, welche er bei ſeinen Glaͤubigern fand, war eine aͤußerſt freundliche und ſchmeichelhafte. Die Mutter begruͤßte ihn mit einem honigſuͤßen Laͤcheln und die Toͤchter mit jungfraͤulichem Erroͤthen. Er wurde in das beſondere Prunkzimmer gefuͤhrt, wo die reiche Wittwe nur die Honoratioren des Ortes empfing. Dort konnte er den beſten Begriff von der Wohlhaben⸗ heit der Familie erhalten. An der Decke hing ein maſſiver Kronleuchter, ſaͤmmtliche Moͤbel waren noch wie neu und wenn auch nicht grade geſchmackvoll und paſſend, aber wenigſtens theuer genug in der Reſi⸗ denz bezahlt. Sopha und Stuͤhle ſteckten noch im Negligé, in ihren Ueberzuͤgen von grauer Leinwand. Nur bei außerordentlichen Gelegenheiten ſtreiften ſie die gemeine Huͤlle ab und erſchienen in ihrer Pracht von rothem Pluͤſch. Sie bildeten dann einen ſchreien⸗ den Contraſt zu den hellgruͤnen Tapeten mit großen gelben Blumen. An den Waͤnden hingen neben ein⸗

3 †