Teil eines Werkes 
Zweiter Theil (1855)
Entstehung
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Auch die bloße Idee vermag eine Leidenſchaft her— vorzurufen, die heftiger als jede irdiſche, perſoͤnliche werden und eine nie geahnte Hoͤhe erreichen kann. Der abſtracte Denker, der Philoſoph, liebt ſein Syſtem oft mit einem Fanatismus, der bei weitem jede andere Neigung uͤbertrifft. Der Gedanke iſt ihm Kind und Geliebte zugleich, er ſelbſt Liebender und Vater in einer Perſon. Nicht der Dichter allein wird bei ſeinen Schoͤpfungen von jenem ſchoͤnen Wahnſinn des Schoͤpfungstriebs ergriffen, auch der Phyſiker, der den geheimnißvollen Kraͤften der Natur nachſpuͤrt, der Chemiker, welcher einen noch unbe— kannten Stoff entdecken will, der Phyſiolog, der die wunderbaren Bahnen und Verſchlingungen der Ner— ven verfolgt, ſie Alle gleichen darin dem leidenſchaft⸗ lichen Liebhaber, dem begeiſterten Saͤnger. So hat die Wiſſenſchaft ebenfalls ihre Poeſte, ihre Leiden und Freuden, Entzucken und Verzweiflung. Der ruhige Forſcher wird zum Schwaͤrmer und giebt Alles fuͤr die Verwirklichung ſeiner Idee. Er vergißt die ganze Welt und verachtet ihre Vorurtheile. Das Schoͤpfungsfieber ergreift ihn, ſeine Pulſe ſchlagen heftiger, alle ſeine Nerven ſind geſpannt, ſein Auge flammt von himmliſcher Begeiſterung. Wenn er das

Problem nicht loͤſt, wenn ſeine Entdeckung fehl ſchlaͤgt, II. 3