Teil eines Werkes 
Zweiter Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8e 5

eine gruͤne Jacke an, die an einem Nagel unter dem Fenſter hing. Mit einem Kamm fuhr er ſich einige Male durch das ſchlichte, braune Haar, wobei er einen ſelbſtzufriedenen Blick in den kleinen, zerbro⸗ chenen Handſpiegel warf, deſſen er ſich bei ſeiner kurzen Toilette bediente. Noch einmal ſchaͤrfte er dem Lehrjungen die groͤßte Aufmerkſamkeit ein, dann ver⸗ ließ er die Werkſtaͤtte, um Ernſtine beim Winden der Kraͤnze zu unterſtuͤtzen. Er fand ſie bereits in voller Arbeit und nahm an ihrer Seite Platz. Aus dem Korbe reichte er ihr Laub und Blumen zu und foͤrderte ſo das Werk. Dabei konnte es unmdoͤglich ausbleiben, daß ſich ihre Haͤnde beruͤhrten, ihre Blicke begegneten. Karl, der weit empfindſamer als das Maͤdchen war, ſtieß mitunter einen hoͤrbaren Seufzer aus.

Was fehlt Ihnen denn ſchon wieder? fragte Ernſtine, der ſeine truͤbe Stimmung nicht entging. Sie wiſſen, daß ich die melancholiſchen Leute gar nicht leiden mag.

Das iſt ja eben mein Ungluͤck. Es wird mir

nichts uͤbrig bleiben, als fortzugehn, damit Sie ſich

nicht uͤber mich zu aͤrgern, brauchen. Ei! Was faͤllt Ihnen ein? verſetzte ſie mit ſchlecht verhehlter Beſtuͤrzung. Sie wollen uns ver⸗