Teil eines Werkes 
4. bis 6. Bändchen (1845)
Entstehung
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einer unſichtbaren Sonne, und da Mervyn aufwäris blickte, kam es ihm vor, als ob er in einem verwir⸗ renden Traume läge.

Nach ein paar Minuten ſah er Oates bei den Sheriffen erſcheinen und um ſich blicken. Ihre Augen begegneten ſich, und es ſchien ihm, als ob er Betheln ſeinetwegen eine Bemerkung zuflüſterte; aber ſeine Auf⸗ merkſamkeit wurde in deniſelben Augenblicke auf eine andere Stelle hingezogen und dort feſtgehalten. Eine ſchwere Thüre gegenüber that ſich plötzlich auf und ein Mann, mit einem Kronſtabe und einem offenen Perga⸗ 1 mente, erſchien, gefolgt von einigen Soldaten mit ge⸗ fällten Partiſanen. In der Mitte dieſes kriegeriſchen Aufzuges ging mit über einander geſchlagenen Armen, ganz blaß, aber mit ungetrübter Ruhe, eine hohe Ge⸗ ſtalt, die einen langen, ſchwarzen, mönchartig ausſe⸗ henden Mantel trug. Mervyn konnte ihn unmöglich mißkennen es war Van Huysman.

Mehrere Minuten lang nach dieſem entſetzensvol⸗ len Wiedererkennen ſtand Mervyn erſtarrt da und un⸗ fähig aller Rede. Unterdeſſen ſchrie der Gerichtsbote, denn das ſchien der Mann mit dem Stabe zu ſein, nach dem langen, laut genäſeltenHört, hört! die gewöhnliche Proklamation in des Königs Namen ab. Dieſes Dokument kündigte an, daß dem Gefangenen, da er dem Gerichte zu antworten verweigert, geſpro⸗ chen ſei, unter eine Preſſe gebracht zu werden, mit ſo viel Eiſen und Stein auf ihm, als er tragen könne, und mit noch mehr; daß er am erſten Tage drei Biſſen Gerſtenbrod erhalten ſolle, und am zweiten Tage drei⸗ mal Waſſer aus dem Kanal trinken dürfe, aber von keinem Brunnen und keiner Quelle; und daß dies ſeine Strafe ſein ſolle, bis er ſterbe.

Ein Gemurmel des Entſetzens durchlief die Nenge, und man drängte ſich, einen Blick auf den Gefangenen zu erhaſchen; aber dieſer ſchien durchaus nicht bewegt.