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thümers nicht, oder ob es überhaupt einen hat. Ich nehme es in Beſitz, weil ſonſt Niemand den Muth hat, miethfrei zu wohnen, auf die Gefahr hin, von dem Geſpenſte eines alten Geizhalſes, der einmal da⸗ rin lebte, ſich zu Tode erſchrecken zu laſſen; ja und auch darin ſtarb, ehe er nach billiger Rechnung in den Büchern des Todes zahlbar war.
„Wie meinſt Du das, Bruder?“ ſagte Oates et⸗ was ernſthafter.
„Nun, es wurde verlaſſen wegen einer abergläu⸗ biſchen Geſchichte hinſichtlich ſeines vorigen Bewohners,“ erwiederte der Oberſt—„eine grauſige Legende, die auch den obdachloſeſten Elenden in der Friary jedem möglichen Schutze, den dieſes Hauſes zerbrochenes Dach gewähren könnte, den ſtürmiſchen Himmel als Decke vorziehen läßt. Man heißt es das Geiſterhaus und es iſt ſeit dreißig Jahren, unbewohnt geblieben, bis ich(fuhr er leiſer fort), der ich die Herde der Men⸗ ſchen vermeide, es zu meiner Höhle erkor, in der ich ſeither manche ruhige Nacht in Geſellſchaft meines guten Gewiſſens zugebracht habe. Indeſſen iſt es etwas un⸗ heimlich, allein hier zu ſein, und die Geſellſchaft dieſes Jungen wird mir äußerſt wohl thun.“
„Von welcher Geſchichte ſprecht Ihr, mein Herr?“ weßwegen nennt Ihr es das Geiſterhaus?“ ſagte Mer⸗ vyn mit großem Ernſte.
„Aber ſcheut Ihr Euch nicht vor dem Zuhören dieſer Männer?“ flüſterte Oates, indem er auf die Rudersleute blickte, zwei ſtarke, verdächtig ausſehende Kerl, in einem Anzuge, der zwiſchen einer zerriſſenen Livree und der Matroſentracht die Mitte hielt.
„Bewahre, es ſind beide ehrliche Kerls— das heißt teufliſche Schufte,“ antwortete Blood.„Sie können uns in Zukunft noch nützlich werden; denn ei⸗ ner derſelben iſt ein weggejagteér Bedienter des katho⸗ liſchen Lords Bellaſis, dem Eure Angabe eine Woh⸗ nung im Tower verſchaffen dürfte.“ 3


