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ſo unwahrſchei nlich kam es ihm vor, daß der König und die Edeln eines ſo großen Reiches ihre Würde ſo erniedrigen ſollten.
Blood ließ ihm jedoch nur wenig Zeit zum Nach⸗ denken über ſeine Lage. Er ſchrie ihm zu, herunter zu kommen, in einer barſchen Stimme, der er nicht unge⸗ horſam zu ſein wagte. Unten fand er ein ſolides Frühſtück, das ſie in beinahe völligem Schweigen mit einander verzehrten und nach dieſem bereitete ſich Blood zu einem Ausfalle vor. Mervyn ſah ihm mit einiger Neugierde zu, wie er ſeine Toilette machte. Er ſetzte eine Perrücke auf, die in langen zuſammengefilzten Lo⸗ cken über ſeine Schultern fiel und wickelte ſein Kinn in einen alten Shawl, ſo, daß wenig außer ſeinen wilden Augen ſichtbar blieb. Darauf, nach einem Mor⸗ gentrunke mit dem kleinen Simon, nahmen ſie ihren Weg Waterlane hinunter. An den Treppen zum Strome hinunter nahm der Oberſt ein Boot und ſtreckte ſich, nachdem er den Leuten Anweiſung gegeben hatte, wo⸗ hin ſie fahren ſollten, nachläßig im Vordertheile nieder, während Mervyn ſchweigend da ſaß und das glänzende Widerſpiel der Sonne auf dem Waſſer beobachtete.
Aumerle⸗Houſe hieß der von Blood angegebene Ort, der, da er den Namen ſchon früher, unter beſon⸗ deren Umſtänden gehört hatte, Mervyns Aufmerkſamkeit rege machte. Sie landeten an der Weſtmünſtertreppe, von wo aus Blood, unter wachſamen Blicken auf ſei⸗ nen Gefährten, den Weg durch eine lange Reihe von Straßen und Gärten einſchlug— vielleicht in der Abſicht, ihn verwirrt zu machen— und zuletzt vor ei⸗ nem ſtattlichen Edelſitze ankam, deſſen Gärten ſich bis an den Strom hinunter erſtreckten. Er war in einem alterthümlichen, architektoniſchen Style erbaut, wie er die Aera Heinrichs VII. auszeichnete, reich und ſorg⸗ fältig ausgearbeitet und war umgeben von allen Zu⸗ gaben und Anzeigen des höchſten Ranges und Luxus.
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