—.-—
237
eine Flaſche ergriff und vor Unwillen roth wie Schar⸗ lach wurde.
„Auf Ehre, Brüder, ich danke Euch, aber ich brauche keine Hülfe,“ ſagte der Officier ganz kaltblü⸗ tig.„Ich hacke den in Stücke, der ſich regt— ſei's für oder gegen mich— ich ſpieße Euch an mein
Schwert, wie die Nierlein. Gotts Wunder! Burſche, glaubt Ihr, ich laſſe mich von ein Paar Schuften, in einer Winkeltaverne, in Schrecken ſetzen?“ 3
„Womit kannſt Du beweiſen, Schurke! daß wir, — daß ich Buckingham, unſern königlichen Herrn, je ſo verrathen könnte?“ rief Villiers.
„Oder ich?“ ſchrie Wilmot.
„Nun, da Ihr Beweiſe fordert, Mylords, hier iſt einer, der ſich nicht leicht widerlegen läßt,“ ſagte der ſcheinbare Officier lachend und nahm ſeinen Hut ab, worauf eine Fülle reicher goldner Ringellocken ihm über's Geſicht herunterfiel.„Ihr mögt ſtaunen, werthe Her⸗ ren, aber mir däucht, ich ſollte im Stande ſein, über ne Gwöns Anbeter die Wahrheit zu berichten, nicht wahr?“
„Was Nell, Nell, beim Leben, was für ein wilder Streich iſt das?“ rief Rowley, indem er ſein Schwert fallen ließ.
„Wie Charles, Charles, was für ein wilder Streich iſt das?“ erwiederte die excentriſche Schöne.„Seid Ihr ein Alſatia⸗Squire geworden? Iſt dieß ein ſchick⸗ licher Platz, die Majeſtät von England zu beherbergen? Schande über Euch, Mylords, Euren König in Eure Schelmenwinkel zu führen und die Wohlfahrt Englands un die Degenſpitze irgend eines wüſten Zechbruders zu
agen!
—„Nell, Nell, Du biſt die indiscreteſte Creatur!“ rief der König aus, indem er ſie in die Arme ſchloß. „Und der ſüßeſte Offizier!— aber Nell, dieſe lärmen⸗ den Streiche werden Dich über kurz oder lang in's Verderben ſtürzen.“ 3
8


