206
„Meint Ihr ein jeder Dieb müſſe ein Verwandter von Euch ſein?“
Mervyn ſchien verwirrt und ſchwieg ſtille.
„Nun ja, Bruder,“ ſprach Prance dazwiſchen,„aber was ſpielte er Euch für einen Streich?— ſeine Streiche ſind alle ſo luſtig.“
„Ach, ich habe Alles vergeſſen und vergeben!— Er beraubte mich in den Wäldern von Clairvau— wiewohl, er gewann nicht viel dabei,“ ſagte Oates mit Gekicher.„Aber was für einen neuen Streich hat er ausgeführt.“
„O, was ſo ausnehmend komiſch, daß ein Bein⸗ gerippe darüber lachen müßte,“ ſagte der Silberarbei⸗ ter.„Ihr kennt den alten, geizigen Bethel, den be⸗ rühmten Sheriff— Und, ſeht Ihr, da kommt letzte Woche ein Brief von einem ſeiner Correſpondenten in Darby, der ihm einen wunderſchönen Handel mit Schafsfellen vorſchlug, aber, er müſſe gut mit Geld verſehen ſein— hartem, klingendem Geld. Fort reitet er, und aus Sparſamkeit ohne Diener, auf einem alten Gaul, mit einem ſchweren Sack voll Geld; und zwi⸗ ſchen Darby und Afhby, auf dem Moore dort, wer begegnet ihm, Herr Duval, der ihm Alles abnimmt, was er hat— und wie er nach Darby kommt, und ſeine Säcke leichter gemacht, erfährt er, daß ſein Cor⸗ reſpondent ſo wenig von Schafsfellen weiß, als der Hammel, und daß es Alles ein Streich von Duval war— ha, ha!“
„Aber man ſagt, daß er gegen ſeine Gefangenen gewaltig höflich und artig iſt,“ ſagte Oates, indem er trotz ſeiner angenommenen Gravität in das Lachen einſtimmte;„beſonders gegen Damen, in welchem Stücke er ein ächter Franzoſe iſt.“
„Egad, das iſt er,“ erwiederte Prance, indem er ſich die Augen wiſchte, die von Luſtigkeit überliefen. „Habt Ihr gehört, was ſich zwiſchen ihm und der ſchö⸗ nen Miſtreß Aurora Sydney zutrug?— Vor einigen


