Oliva, im Jeſuiten⸗Collegium zu St. Omer gerichte⸗ ten Brief, ſo wie einen gleichfalls verſiegelten Bar⸗ chentſack heraus.—
„Hier ſind hundert Golddublonen, Claude, um Deine Koſten zu beſtreiten,“ fuhr er fort.„Dieſer Brief iſt an meinen guten Freund und früheren Leh⸗ rer de Oliva, der gegenwärtig auf ſeiner Viſitations⸗ reiſe im Collegium iſt; überreiche damit zugleich die⸗ ſen Wechſel auf meinen Pariſer Banquier, denn ob⸗ gleich ich wohl weiß, daß es bei den guten Vätern einer Beſtechung bedarf, um ſie zu einem Dienſte für mich zu veranlaſſen, ſo will ich doch nicht, daß mein Sohn ihrer Barmherzigkeit etwas verdanke. Ferner beauftrage ich Dich, meine Zuwelen und die Inſignien des Hoſenbandordens dem Pater zur Obhut zu über⸗ geben, der ſie aufbewahren möge, um eines Tages die Identität meines Sohnes beweiſen zu können.“
Ein goldenes Käſtchen öffnend, nahm der Graf die mit Juwelen beſetzte Kette und den Drachen des kö⸗ niglichen Ordens heraus. Angezogen von den feurigen Funken der Juwelen machte der kleine Mervyn einen kühnen Griff darnach, und der Earl, den dieſe Lebhaf⸗ tigkeit beluſtigte, warf ihm das Halsband um, daß es ihm blitzend faſt bis auf die Füße herabhing. Die ausnehmende Schönheit des Kindes und die Freude, die von ſeinem Geſichte ſtrahlte, erweckte in dem Gra⸗ fen ein gemiſchtes, bis zur Leidenſchaft geſteigertes Ge⸗ fühl von Betrübniß und Entzücken; er warf ſich in ſeinen Stuhl zurück, verbarg ſein Geſicht und weinte.
Plötzlich ſchien Mervyn zu vermuthen, daß er es ſei, der dieſen Ausbruch des Schmerzes hervorgerufen habe und mit den Worten:
„Weinet nicht, Sie— ich will ſie nicht fortneh⸗ men— gewiß nicht,“ ſprang er in ſeines Vaters Arme, küßte ihn und bemüßte ſich, ihn mit kindlichen Lieb⸗ koſungen zu tröſten.
In dieſem Augenblicke ließ ſich das Knarren ei⸗


