32
„Nun denn, ich will Dir ſagen, hub der Gefan⸗ gene an.„Mein Leben iſt in großer Gefahr— ich bin in der That innerlich überzeugt, daß ich dieſe Mauern nie mehr lebendig verlaſſen werde, nicht ein⸗ mal, um meine Rolle auf des Verräthers Wieſe(trai- torn's Green) zu ſpielen; aber wenn mein Sohn gerettet würde, ſo hätte der Tod keine Schrecken für mich. Ich fürchte Duval— ich fürchte— nein, ich weiß es, daß weder ſeine Mutter, noch ihr Liebhaber ſich ſcheuen würden, dieſes Blut zu vergießen, wenn ſie es für nothwendig hielten, um ihre Hoffnungen mich zu be⸗ werben, ſicher zu machen.“
„Aber iſt es möglich, Mylord, können ſie ihr Verbrechen auf einen ſo verdammenswürdigen Gipfel treiben, daß ſie Euch auf das Schaffot bringen, mit einer Anklage, deren Grundloſigkeit ſie bewußt ſind.“
„Ich weiß nicht, Duval! ſie haben gute Zeugen auf ihrer Seite— Männer, die daran gewöhnt ſind, unſchuldiges Blut zu verkaufen. Der König liebt mich nicht— das Volk haßt ſchon den Laut meines Namens. Predigte nicht Dr. Tongue in St. Mary's Kirche gegen
mich am Jahrestage der Armada, und nannte mich ei⸗
nen blutdürſtigen Papiſten, dem nichts als die Macht fehle, um der Haman dieſes Geſchlechtes von Iſrael zu werden? Und, Claude,“ fuhr der Gefangene fort, indem er noch bleicher wurde,„wißt Ihr nicht, daß der Hauptſächlichſte der meineidigen Zeugen gegen mich, jener mörderiſche Schurke, Oberſt Blood iſt? Er haßt und fürchtet mich zu ſehr, um ſein Werk nur halb voll⸗ endet zu laſſen!“—
„Mit Recht heißt man ihn den Irrländiſchen Ju⸗ das!“ rief Claude.„Aber, Mylord, überlaßt Euch keinen ſolchen traurigen Ahnungen—“
„Stille davon, Duvall ich bin nicht wegen meiner ſelbſt in Beſorgniß,“ ſagte der Earl, haſtig.„Das Leben hat für mich wenig Reize mehr, meine Sonne iſt am Mittage ſchon hinuntergegangen und hat nichts


