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eine menſchliche Mutter, grauſamer als eine hungrige Wölfin, gegen ihr eigen Kindlein wüthen könne? Es iſt entſetzlich, ſolche Gräuel nur zu träumen! Doch exiſtiren ſte in der Wirklichkeit. Der Himmel verzeihe mir das Unrecht, das meine verirrte Leichtgläubigkeit Dir ſchon zugefügt hat, geſegnetes Kind!“
Und mit Thränen, die ſchnell und häufig ſeinen Augen entſtürzten, ſchloß Aumerle den Knaben in ſeine Arme und küßte ihn mit leidenſchaftlicher Heftigkeit— ein Verfahren, welches ſich dieſer in ſtiller Verwunde⸗ rung gefallen ließ.
„Sei unſere heilige Mutter Gottes geprieſen für dieß!“ ſagte Claude, indem er von ſeinen eigenen Wimpern den Thau ſtreifte, der ſich, trotz ſeiner Ge⸗ genbemühung, daraus hervordrängte.„Ja aber, bei ihrem gebenedeiten Namen! wenn ich jemals daran zweifelte, daß der kleine Mervyn und jeder Zoll von ihm, der Eurige ſei, ſo möge mir ihre Hülfe entgehen, wenn ich dieſelben am Meiſten bedarf!“
„Du beſprachſt von jeher meinen Wahnſinn, wie eine ſtürmiſche See,“ ſagte der Gefangene beruhigter. „Aber für das und noch Vieles Andere, Claude, werde ich ein dankbarer Schuldner ſein, wenn ich am Leben bleibe.“
Der Earl ſchwieg einige Minuten lange und ſchaute unverwandt das Kind an.„Duval,“ ſagte er endlich mit einem Seufzer,„wäre nicht der einzige kleine Ueber⸗ reſt von Zweifel, wie necktargleich würde dieſer Kelch der Freude ſein! Die Verſicherung, zu fühlen, daß die Herrlichkeit meiner Vorfahren in dieſer ſchönen und edeln Geſtalt fortleben wird, wenn die meinige ſchon längſt für immer in den Staub gelegt worden iſt!— Aber ich habe jetzt keine Zeit für Thränen, wenn es auch Freudenthränen ſind, Claude, ich glaube— ich darf mich Dir mit Sicherheit anvertrauen?“
5„Bis zu meinem letzten Blutstropfen, geliebteſter Herr!


