30
„Duval,“ ſagte der Earl, augenſcheinlich in großer Bewegung,„in Wahrheit, meine eigene Meinung hat ſich ſeltſamlich geändert. Guter Mr. Edwards, habt Ihr vielleicht Erlaubniß, uns auf einige kurze Augen⸗ blicke allein zu laſſen?“
„Ein Stündchen, Mylord,“ erwiederte der alte Mann, erröthend und aus der Stellung der geſpann⸗ teſten Neugierde, mit der er zugehorcht hatte, auf⸗, fahrend. 1
„Auf ſo lange denn, wollen wir uns Eurer güti⸗ gen Gegenwart berauben, alter Talbot,“ ſagte der Earl freundlich; und der Bewahrer der Kronkleinodien ver⸗ ſchwand, mit einigem Anſchein von Verwirrung.
„Der alte Mann hat ſeine Fehler, wie jede menſch⸗ liche Herrlichkeit,“ ſagte Aumerle, indem er ſeinem Kerkermeiſter ein wohlwollendes Lächeln nachſandte; „und ſo unter andern unbegrenzte Neugierde und Leicht⸗ gläubigkeit, welche gewöhnlich Hand in Hand gehen; aber er hat ſich dienſtwillig gegen mich erzeigt und ſein Sohn wird mir einiges Gute thun für Vieles, das ich ihm in früherer Zeit gethan.“
„Aber, Mylord,“ ſagte Duval ängſtlich,„ich glaube, Ihr ſpracht von einer Veränderung, die in Euren Mei⸗ nungen, über Euren— den Knaben ſtattgefunden.“
„Glaubt Ihr, ich würde außerdem dieſe Furcht für ſeine Sicherheit fühlen. Wenn ich jetzt noch an die— die Geſchichte glaubte— weswegen ſollte ich die Gefahr fürchten, welche ihm von dieſem teufliſchen Paare droht? Claude, ich habe genug erfahren— Du weißſt, wie mein armes, gebrochenes Herz, ſelbſt in Augenblicken, wo es von jenen abſcheulichen Erfindun⸗ gen am ärgſten betrogen wurde, ſich immer an dem ſtarken Inſtinkt feſthielt, der mich lehrte, daß jeder Tropfen Bluts in ſeinen ſüßen Adern aus dieſem Her⸗ zen fließe, das auch im wildeſten Wahnſinn ihn zärtlich liebte. Jedoch, wer hätte denken ſollen, daß ſolch ein unnatürlicher Verrath ein Weib erfüllen könne? Daß


