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„Gehe hin, Mervyn— wie, fürchteſt Du Dich vor dem edeln Herrn?“ ſagte Claude, indem er die wider⸗ ſtrebende Hand des zurückweichenden Knaben faßte.
„Nein, ich fürchte mich nicht vor dem Herrn— aber was iſt das ſchwarze Ding auf dem Tiſche?“ ſagte der Knabe und deutete auf des Earls Hut.
„Stille, es iſt vorbei,“ ſprach Aumerle und warf ihn auf die Seite.„Gieb mir Deine Hand, Mervyn— ſage mir, ſahſt Du mich je zuvor?“ 3
„Ja,— einmal, da ich ein unartiger Knabe war und einen böſen Traum hatte, ſo ſagte meine Wärte⸗ rin,“ war des Knaben Antwort.
„Meiner Treu, er erinnert ſich des geheimen Be⸗ ſuches Eurer Lordſchaft in Cornwall, da Ihr ihn beim Kerzenſchein ſahet, wie er in ſeinem Bettchen ſchlief,“ ſagte Claude.
„Ja, und Ihr küßtet mich und Eure Lippen waren ſo heiß,— wie Feuer,“ fuhr das Kind fort, das nun ſeine Hand in die des Earls legte.„Aber ich fürchte mich nicht vor Euch, weil die Wärterin ſagte, Ihr lieb⸗ tet mich, obgleich Ihr mich nicht leiden könnt.“
„Sie ſprach die Wahrheit, Kind, wiewohl auf ein⸗ fältige Weiſe,“ ſagte der Gefangene, des Knaben ſchö⸗ nes Haar zurückſtreichend, mit einem Blicke voll tiefen, kummervollen Ernſtes.„Schau hieher, Duval!— ſiehſt Du dieſe funkelnden Augen und den vollkommen gebildeten Mund? Die ſind das Erbtheil von ſeiner wunderſchönen, ſchlimmen Mutter; gebe Gott, daß er ihr niemals eben ſo im Böſen gleichkomme, wie in Schönheit!“
„Amen, Mylord!“ ſtimmte Claude ein.„Aber ich komme ſoeben vom Lord⸗Lieutenant und ſeiner Geſell⸗ ſchaft, die ſich über ſeine große Aehnlichkeit mit Eurer Lordſchaft wunderten— ohne mit Eurer Anſicht über die Sache zu ſtreiten— er gleicht Euch ſo ſehr, als jemals ein Sohn ſeinem Vater:— aber bei alledem ſage ich nicht, daß er Euer Sohn ſei.“


