Teil eines Werkes 
1. bis 3. Bändchen (1845)
Entstehung
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Das Zimmer, in welchem ſie ſich nun befanden, war groß, aber ungemein düſter, indem es nur durch ein einziges, hohes, vergittertes Fenſter Licht erhielt, durch welches jetzt die Abendſonne ſchief hereinfiel und alle Gegenſtände, die ſie nicht unmittelbar traf, in tiefe Schatten warf. Unter dieſem Fenſter ſtand auf einem Schreibpulte, neben einem ſilbernen Kruzifixe, ein maſſiver Armleuchter und lagen Schreibmaterialien zerſtreut umher. An dem Tiſche ſaß, halb verborgen in einem umfaſſenden Lehnſtuhle, eine ſtattliche Manns⸗ geſtalt, das Haupt auf die Hand geſtützt und dem An⸗ ſcheine nach ſo in Gedanken verloren, daß er weder das Klopfen, noch das Hereintreten ſeiner Beſucher be⸗ merkte. Er war in ſchwarzen, mit glänzenden, dunklen Verzierungen verbrämten Sammt gekleidet, wie in voller Trauer; und von einem geſpitzten Hute, der neben ihin auf dem Pulte lag, hingen eine Fülle von Federn von derſelben traurigen Farbe ſchwer herunter. Sein Haar, nun von frühzeitigem Kummer grau über⸗ flogen, war einſt glänzend ſchwarz geweſen, wie ſein Kinn⸗ und Schnurrbart es noch waren. Das Licht fiel voll auf ſein Geſicht und offenbarte ausgezeichnet ſchöne Züge, die aber von einem Ausdrucke tiefer Melancholie bezeichnet und beinahe geiſterbleich waren. Seine Augen, aufwärts gerichtet, waren ſchön blau und geiſtreich, aber ob ſie gleich in ernſtem Blicke auf die eiſernen Gitter ſtarrten, ſchien es doch, als ob aller bewußte Sinn in Gedanken vergangen ſei. Er hatte augen⸗ ſcheinlich an einem Papier geſchrieben, das vor ihm lag, denn er hielt immer noch die Feder in der Hand und ſchien über das von ihm Geſchriebene nachzudenken.

Das Gemach war in dem Geſchmacke des fünf⸗ zehnten Jahrhunderts ausgeſtattet, mit den maſſiven Stühlen und unbeweglichen Tiſchen, an denen unſere Voreltern Gefallen fanden, und die Wände daran wa⸗ ren mit ſinnreichem Tapetenwerke behangen, worauf die Schickſale der Eſter abgebildet waren. Eine offenſte⸗