Teil eines Werkes 
4. Band (1852) Feine Welt : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Aber die Stunden rannen, keine Macht hielt die flüchtige Zeit.

Jetzt ſchlug es halb.

Ein leiſes Zittern flog durch ſeine Glieder und wieder umrauſchten ihn die Todesgedanken mit ihren ſchwarzen Schwingen.

Er hatte das Leben bis zur Hefe geleert, Alles genoſſen, Alles erſchöpft. Sein Geiſt fand keine Nahrung mehr, ſein Herz war verödet und aus⸗ gedörrt. Er fühlte nur noch Freude am ſinnlichen Genuß, und auch für dieſen reichten ſeine Organe nicht mehr hin. Die phyſiſche Kraft hatte ihn

verlaſſen. Er war geiſtig ausgehöhlt und körper⸗

lich erſchlafft.

Wozu noch leben, hatte er ſich oft gefragt, wenn ich nicht mehr genießen kann? Dreiviertel ſchlug die unerbittliche Uhr.

Ein kalter Schweiß ſtand auf der Stirn des Barons. Die Töne der Glocke drangen ihm durch Mark und Bein und erſchütterten ſein zerrüttetes Nervenſyſtem.

Muth! Muth! murmelte er und griff nach der Weinflaſche, welche auf dem Tiſche ſtand.