Teil eines Werkes 
4. Band (1852) Feine Welt : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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ihn ſchmiegte, als ſollte ſte ihm ſchon in dieſem Augenblick entriſſen werden.

— Adele! gutes Kind,— rief er, indem er ſeine Hand auf ihr Lockenhaupt legte.— Ich werde dich nicht verlaſſen. Du haſt Recht, wir dürfen uns nicht trennen.—

Unter Thränen lächelte die Schweſter.

— O! mein geliebter Bruder,— entgegnete ſte,— ich danke dir. Wie gern will ich an deiner Seite ſelbſt in tiefſter Armuth leben. Glaube mir, ich kann Alles entbehren, wenn ich dich nur immer behalten darf.—

— Entbehren! welch ein hartes Wort. Du kennſt nicht die Qualen und Leiden, welche die Ar⸗ muth uns ohne Verſchulden auferlegt. Haſt du den Muth, Adele, all' die Genüſſe, die Bequemlich⸗ keiten, die ſüße Gewohnheit unſeres jetzigen Lebens aufzugeben?—

— Gewiß, Oskar!— betheuerte das holde Kind.

— Statt der prächtigen Räume, welche wir⸗ noch heut bewohnen, kann uns morgen ſchon ein ärmliches Quartier aufnehmen. Wir werden unſere

Dienerſchaft entlaſſen müſſen. Unſere Freunde wet⸗ Ring, Stadtgeſchichten. IV. 14