Teil eines Werkes 
4. Band (1852) Feine Welt : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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vermochte das neugeborene Kind nicht anzuſchauen ohne die bitterſten Qualen zu empfinden. Stun⸗ denlang ſtarrte er in das Geſicht des Kleinen, als ob er darin die Schuld oder Unſchuld ſeiner Mut⸗ ter leſen wollte. Er war der unglücklichſte Vater von der Welt; das reinſte, ſchönſte Gefühl eines Mannes, die Liebe zu ſeinem eigenen Blut und Fleiſch, hatte ſich bei ihm in ein zehrend Gift verwandelt. Sein argloſes Herz war zerriſſen, ſein treffliches Gemüth verdüſtert. Dennoch beſaß er nicht die Kraft, ſich von der treuloſen Frau öffentlich ſchei⸗ den zu laſſen und vor Gericht den Beweis ihrer Schuld zu führen. Er liebte noch immer das Weib, welches ihn ſchändlich hintergangen hatte. Je mehr aber das Kind heranwuchs, deſto größere Aehnlich⸗ keit fand der Graf in deſſen Zügen mit denen des Barons. Schaudernd ſtieß er den Knaben fort, wenn derſelbe ſich mit kindlicher Liebe ihm nähern wollte. Dieſer, mit außerordentlichen Anlagen und frühzeitigem Scharfſinn begabt, fühlte doppelt tief die Abneigung des Vaters, welche er ſich nicht zu erklären vermochte. Auch ſein Herz wandte ſich von dem Grafen ab, und an die Stelle der Liebe trat ein um ſo größerer Haß. Zwiſchen Vater und