Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Sein Anliegen, das er der guten Mutter vor⸗ trug, brachte eine tiefe Wirkung hervor. Ein rei⸗ cher Thränenſtrom floß über die Wangen der ge⸗ prüften Frau..

Anna beſitzt nichts, gar nichts, ſagte ſie, nachdem ſie ſich von ihrer Ueberraſchung erholt hatte. Sie können eine beſſere und reichere Partie machen.

Ich ſehe nicht auf Geld und Gut, er⸗ wiederte der junge Mann mit großem Ernſt. Anna's Herz iſt mehr werth, als alle Schätze dieſer Welt, die weder glücklich machen, noch be⸗ ſtändig ſind.

Madame Werth ſtieß einen tiefen Seufzer aus, dennoch flog ein Freudenſtrahl über das bekümmerte Angeſicht.

Aber was wird Ihre Mutter ſagen und Ihr Onkel, der, wie ich glaube, andere Grund⸗ ſätze in dieſer Beziehung hegt?

Meine gute Mutter iſt von meinem Schritte unterrichtet und ſegnet im Voraus meinen Entſchluß. Onkel Samuel hat kein Recht, über meine Hand⸗ lungen zu beſtimmen. Meine Lage reicht hin, um mir und Anna auch ohne ihn eine zwar beſchränkte, aber ſorgenfreie Exiſtenz zu verſchaffen.

Und Anna? freagte die gute Mutter.

Die Liebliche kam wie zufällig in dieſem Augen⸗ blick herein und erſparte Adolph jedes fernere Wort. Sie reichte ihm die kleine Hand und ſagte mit feſter Stimme:

Ich habe ihn ſtets geliebt. Mit blutendem Herzen riß ich mich von ihm und opferte meine