Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Liebe dem armen Vater. Es war meine Pflicht. Adolph hat mir längſt verziehn, nicht wahr?

Er ſprach nicht, ſondern zog das holde Mäd⸗ chen an ſeine Bruſt und drückte den erſten, reinſten Kuß der Verlobung auf ihren Mund. Madame Werth ſegnete ihre Kinder und lächelte zum erſten Mal unter Thränen der Freude, welche ſie ſeit un⸗ denklicher Zeit nicht mehr gekannt.

Adolphs Mutter kam noch an demſelben Tag, um ihre Schwiegertochter zu umarmen und brachte den alten Lazarus mit.

Nun hab' ich zu dem Sohne noch eine Tochter bekommen, ſcherzte der Makler. So Gott will, kann ich noch als alter Junggeſelle En⸗ kel auf meinen Knieen wiegen.

Onkel Samuel war allein mit der Partie un⸗ zufrieden. Er hatte für ſeinen Neffen bereits eine reiche Braut auserſehn, doch Anna's hinreißende Liebenswürdigkeit verſöhnte bald den alten Wucherer.

Adolph hatte die Firma Werth und Kom⸗ pagnie für ſeine neue Handlung angenommen und an der Börſe ſteht dieſelbe nach wie vor in höch⸗ ſtem Anſehn.

Druck von F. Nietack in Berlin.