Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Einigung mit den Gläubigern zu Stande gebracht, ſo daß kein öffentlicher Konkurs ausbrach. Tag und Nacht widmete er ſeine Zeit den Angele⸗ genheiten des Hauſes Werth und Kompagnie. Er ordnete die Bücher und Rechnungen, unter⸗ handelte mit den Hauptgläubigern und ruhte nicht eher, bis die Ehre der alten Firma wieder vollkommen hergeſtellt war. Allerdings unterſtützte ihn bei dieſem Geſchäfte ſein Onkel Samuel Roſen⸗ berg weſentlich. Der alte Wucherer war der erſte der eine unerwartete Schonung gegen die unglück⸗ liche Wittwe blicken ließ, und ſein Beiſpiel fand nach und nach in der Geſchäftswelt und an der Börſe allgemeinen Anklang.

Nach Verlauf eines Jahres hatte Niemand mehr eine Forderung an das Haus Werth und Kompagnie..

Die Aufopferung Adolphs war um ſo höher zu ſchätzen, da dieſer ſelbſt ſeit kurzer Zeit ſich eta⸗ blirt hatte. Samuel Roſenberg ehrte den Wunſch ſeines verſtorbenen Bruders und ſtreckte ſeinem Neffen die dazu nöthigen Geldſummen vor. Seine Rathſchläge fanden aber zu ſeinem Aerger kein geneigtes Ohr bei dem jungen Märtens, der die Prinzipien des alten Berger angenommen hatte und ſich durch Fleiß, Redlichkeit und Solidität an der Börſe einen guten Namen ſchnell erwarb.

Heut erſchien Adolph beſonders bewegt, als er Madame Werth beſuchte. Anna hatte ihn ſchon von Weitem kommen ſehn, aber ſie vermied ſeinen Anblick und verſchwand mit holdem Erröthen, ehe er noch in das einfache, beſcheidene Zimmer trat.