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nige Augenblicke einander an, dann ſtießen ſie ein furchtbares Geheul aus, in das die übrigen Be⸗ wohner der Anſtalt miteinſtimmten.
Die Krankheit des Bankiers wurde für unheil⸗ bar erklärt. Zum Glück dauerten ſeine Leiden nicht allzulange Zeit. Ein plötzlich hinzugetretener Ge⸗ hirnſchlag nachte ſeinem Leben und ſeinen Qualen ein frühzeitiges Ende.
Wo waren bei ſeinem Begräbniſſe all die Freunde geblieben? Kein großer Leichenzug, keine unüberſehbare Reihe von Trauerkutſchen begleiteten den einfachen Sarg, der die ſterblichen Ueberreſte des Unglücklichen umſchloß. Der treueſte Freund ſelbſt, Baron Portheim, hatte keine Zeit, denn er feierte an dieſem Tage ſeine Verlobung mit einer reichen, aber alten Wittwe, nachdem er jede Verbindung mit Anna, wie natürlich, abgebrochen hatte. Die Schweſtern Theodore und Fanny litten an ſchwa⸗ chen Nerven und konnten keine Leichen ſehn. Nur die gute Frau Werth ſchwankte zunächſt dem Sarge und weinte bitterlich. Sie hatte dem Todten längſt all das Leid verziehn, das er ihr ſein Lebelang zu⸗ gefügt. Sie war nicht ſchön und geiſtreich, aber die himmliſche Liebe und Geduld in eigener Perſon.


