Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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ches, was die gute Frau tief verletzte, aber ſte klagte nicht, ſondern trug ihr Kreuz mit rührender Geduld. Beſonders hatte ſie viel von ihren beiden Schwä⸗ gerinnen zu leiden, welche natürlich nur aus rein ſchweſterlicher Liebe ihrem Bruder nie verzeihen konnten, daß er kein reicheres und vornehmeres Mädchen als Gattin heimgeführt. Kaum waren acht Tage nach der Hochzeit verfloſſen, ſo galt die einfache, brave junge Frau allgemein für beſchränkt, obgleich es ihr weder an geſundem Menſchenverſtand, noch an Bildung fehlte, und ſie an Herzensgüte und Natürlichkeit die meiſten Frauen übertraf, welche mitleidig über die Arme die Achſeln zuckten. Der Ruf ihrer Verſtandesſchwäche wurde aber ſo oft und vielfältig wiederholt, daß am Ende der eigene Mann, der es doch beſſer wiſſen mußte, daran zu glauben anfing und ebenfalls ſeine Frau für bor⸗ nirt hielt.

Seitdem einmal Herr Werth zu dieſer Mei⸗ nung gekommen war, behandelte er die gute Frau zwar nicht roh, aber mit einer gewiſſen Nichtach⸗ tung, welche ein feinfühlendes Weſen tiefer als ſelbſt entſchiedene Vernachläſſigung verletzt. Je mehr ihr aber das Herz des Mannes entfremdet wurde,