Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

31

dieſen Winter zu eröffnen gedachte. Bisher ſchei⸗

terten leider all' dieſe Verſuche an dem Eigenſinn, oder vielmehr an der bürgerlichen Beſchränktheit ſeiner Gattin, die an den großen Geſellſchaften keinen Gefallen fand. Es hatte, trotz der ihr eige⸗ nen Sanftmuth und Nachgiebigkeit Herrn Werth viel Mühe gekoſtet, endlich ſeinen Willen durchzu⸗ ſetzen und ſein Haus auf einen vornehmen Fuß einzurichten. Selbſt die Freundſchaft mit dem Ba⸗ ron war ein Dorn in den Augen der ſonſt treffli⸗ chen Frau, welche nicht von kleinlichen Vorurtheilen freizuſprechen war. Hauptſächlich ſtieß ſie ſich an die etwas freie Lebensart, welche der Baron führen ſollte. Madame Werth hatte in der That ganz beſchränkte Anſichten von Tugend und Sittlichkeit, die noch nach der faſt klöſterlichen Erziehung ſchmeck⸗ ten, welche ihr in dem elterlichen Hauſe zu Theil geworden war.

So lange der Vater ihres Mannes gelebt, hatte ſie an demſelben eine kräftige Stütze gefun⸗ den, weil der alte Herr, wie er allgemein im Hauſe genannt wurde, in den meiſten Stücken ſeiner Schwie⸗ gertochter, die er überaus hoch hielt, beiſtimmte. Seitdem dieſer aber geſtorben war, geſchah ſo Man⸗