den Ruf einer zärtlich liebenden und beſorgten Stiefmutter ſich zu bewahren. Während ſie den Dolch in das Herz des holden Kindes heimlich ſtieß, ſtreichelte ſie in Geſellſchaft die bleichen Wangen Klara's, drückte ſie mit verrätheriſchen Lippen den Judaskuß auf die ſorgenvolle Stirn der Unglück⸗ lichen.
Klara konnte und wollte mit Niemand über ihre Leiden ſprechen, am wenigſten mit Joſephinen, welche, als die Schweſter Benno Meyers, natür⸗ lich die Partei deſſelben ergreifen mußte. Das Verhältniß zu der Freundin hatte aus dieſem Grunde ſich ebenfalls gelockert. Sie beſaß jetzt Niemand auf der Welt, als das Andenken an die todte Mutter, welche draußen auf dem Kirchhof lag. Gottlieb kam nur noch ſelten in das Haus des Geheimraths; höchſtens ſo oft es der Anſtand ihm geſtattete. Seine Verbindung mit Stürmer war in Wallners Augen genügend, ihm trotz ſeiner Unſchuld die Stunden, welche er den Söhnen deſ⸗ ſelben gab, zu kündigen. Das ſchmerzte den armen Kandidaten tief, der ohnehin durch das Schickſal, welches den Aſſeſſor betroffen, in die tiefſte Trauer verſetzt worden war. Der gute Kleinſtädter war


