Teil eines Werkes 
2. Band (1852) Die Chambregarnisten : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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ergründen und ſeinen Charakter zu erkennen. Hier⸗ nach richtete ſich auch ſein Benehmen ein, das eben ſo kriechend als verletzend werden konnte.

Jeder große Mann hat ſeine Schwächen, und ſo war Herr Mullrich nicht von einem Fehler frei. Er liebte das andere Geſchlecht mehr, als es ſich für einen verheiratheten Mann ziemen mochte. Seine Gattin war nm zehn oder zwölf Jahre älter. Er hatte ſich um die Hand der ſchon beiahrten Wittwe mehr aus nationalökonomiſchen Gründen, als aus wahrer Herzensneigung beworben. Leider mißglückte die Spekulation und ſchlug zu ſeinem Nachtheil aus. Die Wittwe hatte ihr Vermögen bei weitem höher anzugeben gewußt, als es in der Wirklichkeit befunden wurde. Herr Mullrich war leichtſinnig in die ihm geſtellte Falle gegangen und der Pfiffige von dem noch ſchlaueren Weibe überliſtet. Daß die Ehe unter ſolchen Umſtänden nicht die glücklichſte genannt werden konnte, bedarf wohl keiner beſonderen Verſicherung. Sonſt war Frau Mullrich eine lange hagere Geſtalt, mit einer ſcharfen, kreiſchenden Stimme verſehen. Allerdings konnten dieſe Eigenſchaften ihren Gatten für ſeine getäuſchten Erwartungen und in der Blüthe geknick⸗

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