Teil eines Werkes 
2. Band (1852) Die Chambregarnisten : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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ten Hoffnungen nicht entſchädigen. Dagegen beſaß ſie eine ausgezeichnete Sparſamkeit, eine Pfiffigkeit, welche ſelbſt die Mullrichs übertraf, und ſchrieb eine gute leſerliche Hand, ſo daß ſie im Stande war, die Bücher und verwickelten Rechnungen des Hauſes ganz allein zu führen.

Zur Bedienung und Aufwartung der zahlrei⸗ chen Chambregarniſten war außer einem Stuben⸗ mädchen noch eine Couſine von Mullrich da, deren Verwandtſchaft mit dem Ehrenmann in der Nach⸗ barſchaft ſtark bezweifelt und von den böſen Zun⸗ gen angegriffen wurde.

Guſtchen, ſo hieß beſagte Couſine, war ein reizendes Mädchen mit funkelnden ſchwarzen Augen, einer Taille zum Umſpannen und zwei ſchelmiſchen Grübchen in den friſchen Wangen. Sie trug meiſt eine kurze Jacke von dunklem Sammet, welche ihren ſchlanken Wuchs höchſt vortheilhaft hervor⸗ hob. Gegen die Miether war ſie überaus freund⸗ lich und zuvorkommend, beſonders wenn Herr Mull⸗ rich nicht zugegen war, der oft leiſe Anwandlungen von Eiferſucht verſpüren ließ. Keineswegs aber dehnte das ſchöne Kind ſeine Liebe und Zuvorkom⸗ menheit auf alle Bewohner der Etage in gleichem