Teil eines Werkes 
2. Band (1852) Die Chambregarnisten : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Künſtlerin hielt, obgleich ein jedes Kind ſagen konnte, daß dieſelbe nur eine wohldreſſirte Schim⸗ melſtute war, was er ſpäter erſt zu ſeiner großen Beſchämung erfahren mußte.

Aber noch weit dümmer kam ſich der gute Gottlieb vor, als ein junger ſchöner Mann, mit einem zierlichen Schnurrbarte verſehen, das Wort ergriff und über die neueſten Erſcheinungen der Kunſt und Literatur in einem Tone ſprach, als hätte er den berühmteſten Schriftſtellern der Gegen⸗ wart bei ihren Arbeiten beigeſtanden und ihre Werke korrigirt und durchgeſehen. Da gab es keinen Mann von Bedeutung, den der Redner nicht ganz genau und meiſt auch perſönlich kannte. Manche Anek⸗ dote aus dem Leben berühmter Zeitgenoſſen würzte ſeine Erzählungen, und die Art und Weiſe wie er dieſelben vortrug ärndete allgemeinen Beifall. So lange er ſprach, ſchwiegen all die Uebrigen, er ſchien das Orakel der Geſellſchaft zu ſein. Wenn man ihn ſo reden hörte, mußte man ihn für einen be⸗ kannten Schriftſteller halten, der in der modernen Literatur ſich ganz heimiſch fühlte. Doch ſchon im nächſten Augenblick behandelte er mit derſelben Geläufigkeit irgend ein philoſophiſches Problem und