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Dem Sohne war dies Benehmen ganz unbegreiflich, und im Stillen klagte er den Vater der Hartherzig⸗ keit an, die dem braven Mann doch nicht zur Laſt gelegt werden konnte.
Endlich kam das lang erſehnte Feſt. Die Mohnklöſe ſtanden bereits zierlich aufgeſchichtet und die Karpfen ſchmorten in der Pfanne. Aepfel, Nüſſe und Pfefferkuchen in allerlei Formen und Geſtalten waren eingekauft. Der trübe Dezember⸗ tag dauerte nur kurz, doch viel zu lang für tauſend erwartungsvolle Kinderherzen. In der Dämmerung war Vater Hintze heimlich fortgegangen und ebenſo zurückgekehrt. Das mußte ein wichtiges Geſchäft geweſen ſein, das er abgemacht, weil es ſonſt nicht ſeine Sitte war, am heiligen Abend noch ſo ſpät auszugehen. Unterdeß hatte die Mutter mit Hülfe des Sohnes den Tannenbaum angezündet, der in der Mitte des Kellers ſtand. Die vielen Lichter verbreiteten einen hellen Glanz und die dunklen Nadeln ſchimmerten wie eitel Gold und Edelſtein. Eine tiefe Wehmuth beſchlich das Herz des jungen Mannes, als ihm der traute Schein, vielleicht zum letzten Male, wie er dachte, in dem väterlichen Hauſe entgegenleuchtete. Da ſtand der alte Freund


