Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

280

ſehn, und die wollte ſich der Vater einmal nicht nehmen laſſen.

Das heilige Weihnachtsfeſt ſtand vor der

Thür. Die Feier deſſelben war immer ein großes Ereigniß in der einſt ſo einigen Familie geweſen. Schon eine ganze Woche vorher gab es früher ein heimliches Ziſcheln, Gehen und Kommen, Laufen und Rennen. Diesmal war Alles ſo ſtill, als ob es überhaupt keinen heiligen Abend in dem Jahre geben ſollte. Frau Hintze nähte fort und fort an der Ausſtattung des Sohnes, die ſie jetzt mit Freuden rüſtete. Karl aber ſchlich trübe und mißgeſtimmt umher. Er hatte ſich mit dem Gedanken einer Trennung zwar vertraut gemacht, je näher aber der Augenblick kam, deſto betrübter wurde ſein Herz. Die Mutter mußte ſich mit Gewalt zuſam⸗ mennehmen, um mit ihrem Geheimniſſe nicht heraus⸗ zuplatzen, aber ein Seitenblick des Alten legte ihr Schweigen auf. Dieſer ſchien der einzige zu ſein, der die alte Stimmung ſich bewahrte. Er ging wie im vorigen Jahre vergnügt in der Stube auf und ab, wobei er ſich die Hände mit ſchlauem Lächeln rieb. Zuweilen ſtimmte er ſogar ein frohes Liedchen an, das er leiſe vor ſich hinträllerte.