Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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ſo erfaßte ihn ein eigenes Gefühl und allerlei Zweifel ſtiegen in ihm auf, ob er auch recht ge⸗ than. Doch bald verſcheuchte er die mahnenden Gedanken. Sie muß ſich daran gewöhnen. Das giebt ſich. Weiber können einmal nicht das Au⸗ genwaſſer halten ſo meinte er für ſich und glaubte, daß die Zeit auch hier das Beſte thun und die Wunden heilen würde, welche ſein harter Entſchluß dem Mutterherzen geſchlagen hatte. Karl ſah zwar zu allererſt die Mutter täglich ſchwächer werden, doch mochte er mit dem Vater am wenigſten darüber ſprechen. Er fürchtete, ſich etwas zu vergeben und ſetzte dem Eigenſinn des Alten ſeinen Männertrotz entgegen. Auch dachte er wie Hintze in dieſem Punkt und hoffte eben⸗ falls das Beſte von der Zeit und der Gewohnheit, welche jede Trennnng überdauern hilft. Was wiſſen aber ſolche rohe, wilde Männer um das Weſen und die Liebe eines Weibes. Ihnen ſteht die ganze Welt offen, während die Frau auf den ſtillen Winkel des Hauſes und der Familie angewieſen iſt. Sie toben ihre Schmerzen gewaltſam aus, das zartere Geſchlecht ſpinnt ſich darin ein, wie der Seidenwurm, der ſich ſelbſt das Todtenhemde