Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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aber zu meiner guten Mutter. Sie will ich zuerſt ſehen vor allen Menſchen auf der Welt.

Karl willigte, wenn auch mit widerſtrebendem Herzen, ein. Agnes hatte in der Freude des Wie⸗ derſehens nicht nach dem Schickſale Neumanns ge⸗ fragt. Sie nahm ſeine Befreiung in ihrer Unſchuld als nothwendig an, da ja Fritz, der eigentliche Anſtifter des Diebſtahls, gefangen ſaß. Unterwegs bereitete Karl ſie mit Schonung auf das Unglück vor, welches ihr länger nicht verſchwiegen werden konnte. Sie errieth Alles.

Meine arme, arme Mutter! jam⸗ merte Agnes.

Endlich ſtand ſie vor der alten Kellerthür. Bebend legte ſie die Hand an's Schloß, mit klopfendem Herzen betrat ſie die bekannte Woh⸗ nung ihrer Eltern. Eine unglückliche Frau in ſchwarzer Tracht ſchwankte ihr entgegen, Sie breitete die Arme aus und ſchluchzend ſank die Tochter an die treue, ſeelige Mutterbruſt. Auf einen Augenblick vergaß Agnes ihren Karl.