war. Schüchtern wand ſie ſich aus ſeinen Armen los und trocknete mit der Schürze die Thränen der Seeligkeit, welche wie Thautropfen an den ſeiden⸗ weichen Wimpern niederhingen.
Nun erſt erzählte Karl alle Umſtände ihrer Befreiung, indem er auf den blinden Harfenmann deutete, der ein ſtummer, aber tief bewegter Zu⸗ ſchauer der ganzen Scene geweſen war. Sie reichte ihm die Hand und dankte ihm ſo ſüß und herz⸗ lich, daß der gute, alte Mann mit Freuden noch einmal alle Qualen um ſie erduldet hätte, die ihm ſein Gang über den Hofraum gekoſtet hatte. Als er ihre Stimme vernahm, war es ihm ſo eigen zu Muthe. Alte, vergeſſene Zeiten tauchten wieder auf. Leiden und Freuden der Vergangenheit klopften
mächtig an die Bruſt des Unglücklichen. Er mußte
an ein gutes, ſchwaches Mädchen denken, das er einſt geliebt und verlaſſen hatte. Agnes' Stimme glich in dieſem Augenblick ſo ganz dem Tone, dem er oft gelauſcht, und der aus ſeiner Erinnerung nicht weichen wollte.
— Und nun zur Mutter!— drängte Karl — ſie weiß noch Nichts.——
— Ja, zur Mutter— entgegnete Agnes—


