Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Vater, der ſie in's Verderben mit hineingeriſſen, flehte ſte mit gefalteten Händen. Auch an ihn dachte ſie vor Gott. So rein und unſchuldsvoll war ihre Liebe, daß ſie vor dem Herrn ſie laut . bekennen durfte. Sie ſegnete den Geliebten und wünſchte ihm alles Heil und Glück der Erde, ſelbſt ein braves, gutes Weib. Doch nein, das vermochte ſte nicht auszuſprechen, und bei dem Gedanken floſſen ihr die Thränen reichlich über ihre Wangen. Freiwillig ihm entſagen, dazu war ſie zu ſchwach, oder vielmehr zu ſtark. Die wahre Liebe entſagt nicht, ſondern rankt ſich feſt an den geliebten Ge⸗ genſtand mit allen Faſern ihres Seins. Ihr iſt Entſagen und Sterben gleichbedeutend.

So lag Agnes auf dem Boden inbrünſtig ausgeſtreckt. All' ihre Gedanken waren nur bei Gott und Karl, darum hörte ſie nicht, wie der Riegel ihres Kerkers zurückgeſchoben wurde und die ſchwere Thür ſich aufthat. Erſt der Lichtglanz der Kerze, die der Aufſeher trug, ſchreckte ſte empor. Geblendet von dem ungewohnten Scheine ſchloß ſie die hellen Augen blinzelnd zu. Als ſie dieſelben wieder aufthat, glaubte ſie nur zu träumen. Sie