Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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und durch das beſte Verhalten ſich vor allen andern auszeichnete. In Gegenwart des Gefangenwärters mußte Agnes den ganzen Kuchen verſpeiſen, und der reichſte Gaſtgeber kann keine größere Freude fühlen, wenn er ein lukulliſch Mahl ſeinen Gäſten. ſpendet, als Rieke in dieſem Augenblick empfand. Bald war ſie auch im Gefängniß zu Hauſe wie überall, und es gab keinen Aufſeher, ſelbſt den Murrkopf mit eingerechnet, der nicht gern mit dem muntern Mädchen plauderte.

Trotz dieſer Theilnahme der treuen Freundin verharrte Agnes auch Rieken gegenüber in ihrem Stillſchweigen über das geheimnißvolle Stelldichein, welches allein die Urſache ihres Unglücks war. Mit keinem Worte verrieth ſte ihre Liebe. Sie duldete und ſchwieg. Doch das Ende ihrer Leiden war jetzt gekommen, und welch' ein gluckſelig Ende! So hatte ſie's ſich nie geträumt.

Es war bereits ſchon ſpät in der Nacht. Sie ſchickte ſich eben an, zu Bett zu gehen. Vor⸗ her war ſie gewohnt, ihr Abendgebet zu ſprechen und war deshalb auf den harten Boden nieder⸗ geknieet. Sie betete aus vollem Herzen für das Heil der Ihrigen; für die Mutter und ſelbſt fuͤr den