wohl die zeitweilige Anweſenheit Riekens, die einzige Perſon, welche ſie im Unglück nicht verlaſſen hatte, und die durchaus nicht an die. Schuld der Freundin glauben wollte. Mit Mühe und Noth hatte die gute Seele von dem Richter ſich die Erlaubniß ausgewirkt, die Gefangene zu beſuchen.
— Sehen Sie, Herr Kriminalgericht— ſagte ſie bei dieſer Gelegenheit— die Agnes iſt meine Freundin und ich kenne ſte von Kindesbeinen auf. Wenn auch alle Welt ſagt, daß ſie eine Diebin iſt, und wenn's auch hundertmal in den Akten ſchwarz auf weiß geſchrieben ſteht, ich glaube es nicht. Ein gutes Schaaf iſt ſie, das weiß ich, und ihr niederträchtiger Vater hat ſie in ſdie Tinte hinein geritten, das iſt wahr, aber ein ehrlicheres Mädchen giebt es auf der ganzen Erde nicht. Die und ſtehlen! J man braucht ihr nur in das Ge⸗ ſicht zu ſehen und dann muß man ein wahres Rhinozeros ſein, wenn man ſte noch für eine Spitzbübin hält.
Eine unwillige Bewegung des Richters gebot ihr zu ſchweigen.
— Na, na, ereifern Sie ſich nicht. Ich ſage ja kein Wort mehr, denn ich ſehe ſchon, hier gilt 16*


