Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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ſuchte. Er ſchämte ſich ſeiner Liebe, er mußte ſie verachten, und das iſt gewiß das Härteſte, was einem jungen Gemüthe begegnen kann. Wäre ſie geſtorben, er hätte ſie doch wenigſtens offen vor aller Welt beweinen dürfen, aber jetzt Beſſer todt, als ſchimpflich leben. Er wollte ihr Bild aus ſeinem Herzen entfernen, aber er hätte ſein Herz erſt ſelber aus der Bruſt herausreißen müſſen, und ſelbſt das hätt' ihm noch nichts genützt. Verdroſſen ging er an die Arbeit, trübſtnnig kehrte er heim. Er ſprach nur ſelten noch ein freundlich Wort mit den Eltern. Den größten Theil der Zeit brachte er ſtill brütend zu. Selbſt Vater Hintze, der ſonſt nur Augen für die Butter und die Eier hatte, wurde aufmerkſam.

Was fehlt denn dem Karl? fragte er die Alte.

Er iſt krank.

Dann muß er einmal zum Doktor gehn. Der ſoll ihm was verſchreiben, koſte es, was es wolle. Wir können es ſchon bezahlen.

Für ſolche Leiden giebt es keinen Doktor auf der Welt. Das wußte die gute Mutter und ihre Augen füllten ſich mit Thränen. Sie litt im Stillen alle Schmerzen mit, die ihr Sohn empfand.